Tom saß auf der Kante seines Bettes und lauschte. Das Haus war still, nur das entfernte Ticken der Uhr war zu hören. Es war spät, die Nacht hatte bereits begonnen, und alles fühlte sich ruhig, fast schwerelos an. Die Wände seines Zimmers wirkten weich im Dunkel, die Schatten bewegten sich nur minimal, als hielten sie die Zeit an.
Er bemerkte die kleinen Details um sich herum: den Teppich, der leicht nachgibt, die Vorhänge, die ein wenig am Rahmen zogen, und die Tür, die einen Spalt offen stand. Durch diesen Spalt fiel ein Lichtkegel auf den Flur. Nicht hell, nur ausreichend, dass die Leere sichtbar wurde, die den Flur ausfüllte.
Tom spürte die Kühle des Bodens unter seinen nackten Füßen, als er aufstand. Jeder Schritt war leise, gedämpft durch den Teppich. Der Flur wirkte weiter, größer als tagsüber, und doch nicht bedrohlich. Es war eine Leere, die gleichzeitig Sicherheit bot. Kein Geräusch, keine Bewegung – nur Stille, die ihn willkommen hieß.
Er blieb stehen und betrachtete den Lichtkegel. Die Schatten der Türen, der kleinen Regale, der Bilder an der Wand – alles wirkte verändert, als hätte die Nacht einen anderen Sinn für Formen und Größen. Tom konnte die Details sehen, die ihm tagsüber nie auffielen. Es war, als beobachte er den Flur zum ersten Mal.
Die Uhr tickte weiter, gleichmäßig, beruhigend. Tom bemerkte, dass er langsamer atmete, dass die Anspannung seines Tages begann, sich zu lösen. Er lehnte sich leicht gegen die Wand, spürte die kühle Tapete, die ihn unterstützte, als würde sie ihm sagen, dass alles gut war.
Dann hörte er ein leises Geräusch. Fast hätte er es sich eingebildet, aber nein – ein sanftes Knarren, als würde irgendwo im Haus jemand oder etwas sich bewegen. Nicht schnell, nicht laut, sondern so, dass es die Stille ergänzte. Tom war nicht erschrocken, nur aufmerksam.
Er ging ein paar Schritte weiter und sah, wie der Lichtkegel sich leicht verschob. Die Türen schienen anders zu stehen, die Schatten verschoben sich langsam. Es fühlte sich an, als ob der Flur atmete, als sei er lebendig, aber auf eine stille, beruhigende Weise. Tom blieb stehen, lauschte.
Und während er dort stand, spürte er, dass die Nacht noch etwas für ihn bereithielt, etwas, das sich nur zeigte, wenn man ganz still wartete …