Am warmen Strand, wo Wellen geh'n und Sterne sich im Wasser seh'n, da lebte Leni, Schildkröt' klein, mit Panzer rund und Herzchen fein.
Sie liebte Sand und Meeresruh, den Tag verbrachte sie im Nu. Doch wenn der Abend langsam kam, war Leni manchmal noch sehr wach.
„Ich bin so müd", sprach sie ganz leis, „doch Schlaf fühlt sich so fern an heut." Sie blinzelte zum Mond hinauf, der schien und zog ganz ruhig auf.
Die Wellen flüsterten hin und her, doch Lenis Kopf, der dachte mehr. Gedanken schwammen, kreuz und quer, wie kleine Fische im Gedankenmeer.
Da kroch ein Krebs mit leisem Schritt und zwinkerte der Leni mit. „Warum bist du noch wach, so spät? Die Nacht ist doch schon wunderschön spät."
„Die Müdigkeit", sprach Leni sacht, „die ist heut irgendwo erwacht – nur nicht bei mir, so fühlt es sich, als wär sie fort und meidet mich."
Der Krebs lachte, nicht laut, nur klein: „Die Müdigkeit reist oft allein. Sie wandert leise, hier und dort, doch findet dich – an einem Ort."
„An welchem?", fragte Leni still, „ich wart' schon so, so wie ich will." Der Krebs deutete aufs Meer hinaus: „Dort, wo du langsam bist zu Haus."
Leni kroch weiter, Schritt für Schritt, der Strand ging weich und ruhig mit. Die Sterne spiegelten sich klar, die Nacht war nah und wunderbar.
Da sah sie etwas Weiches geh'n, als würd' ein Schleier weiterweh'n. Ganz langsam zog es durch die Nacht, wie Nebel, der sich leise macht.
„Bist du die Müdigkeit?", rief Leni sacht und kroch ein wenig schneller nach. Doch kaum war sie ein Stückchen nah, war das Gefühl schon nicht mehr da.
Leni blieb stehen, schaute still, spürte, wie ihr Herz ganz ruhig will. „Vielleicht", so dachte sie ganz leis, „kommt Müdigkeit nur auf ihre Weis …"
Und Leni fragte sich im Mondenschein, ob man Müdigkeit wohl finden kann – oder ob sie findet einen selbst irgendwann.