Tschüss Kita — die große Schule kommt

Es ist der letzte Kita-Tag. Der Lernolotl freut sich auf die Schule — das weiß er genau. Aber er ist auch traurig. Können Freude und Traurigkeit gleichzeitig da sein? Frau Brandt erklärt ihm, was man mitnehmen kann, wenn man geht.

Der Lernolotl ist glücklich Frau Brandt Mama
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Es war der letzte Tag.

Der Lernolotl wusste das schon seit zwei Wochen. Frau Brandt hatte es gesagt. Mama hatte es gesagt. Sogar Mia hatte gesagt: „Nur noch vierzehn Tage!"

Er hatte Schule gemocht, noch bevor er dort war. Er mochte Lernen. Er mochte Bücher. Er mochte es, wenn man Dinge erklärte und es Antworten gab.

Und trotzdem — an diesem letzten Morgen — stand er in der Garderobe der Kita und hing seine Tasche zum letzten Mal an seinen Haken, und etwas in ihm war schwer.

Nicht schlimm. Nur schwer. Als hätte er etwas Großes in der Brust.

Mia rannte an ihm vorbei: „Heute backen wir Kekse!" Sie war aufgeregt wegen der Abschlussfeier.

Er war auch aufgeregt. Und gleichzeitig traurig. Wie konnte man beides gleichzeitig sein? Das ergab keinen Sinn.

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Frau Brandt fand ihn in der Leseecke. Er saß mit einem Buch — aber er las nicht wirklich.

Sie setzte sich neben ihn. Dann sagte sie: „Wie ist das heute für dich?"

Er überlegte. „Komisch. Ich freue mich auf die Schule. Aber ich bin auch traurig. Das passt nicht zusammen."

Frau Brandt
Frau Brandt
„Das passt sehr gut zusammen. Das nennt man gemischte Gefühle. Wenn etwas gut war — und gleichzeitig etwas Neues kommt, das auch gut ist — dann ist das Herz ein bisschen voll von beidem."

Er dachte darüber nach. Voll von beidem. Das war ein gutes Bild.

Er fragte: „Kommen Mia und Ben auch in meine Schule?"

Frau Brandt schüttelte leicht den Kopf. „Mia vielleicht. Ben geht in eine andere Schule."

Das war traurig. Aber er hatte das schon gewusst. Ben wohnte in einem anderen Ort.

Frau Brandt sagte: „Weißt du, was du mitnehmen kannst? Nicht in der Tasche — sondern hier." Sie legte die Hand auf sein Herz.

Er wartete.

„Alles, was du hier gelernt hast. Wie man fragt, ob man mitspielen darf. Wie man wartet. Wie man atmet, wenn man zu voll ist. Das bleibt bei dir. Das geht mit in die Schule."

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Bei der Abschlussfeier gab es Kekse. Und Limonarde. Und ein Lied, das alle zusammen sangen.

Der Lernolotl sang mit. Er kannte den Text nicht ganz — aber er kannte den Rhythmus.

Frau Brandt gab jedem Kind ein kleines Bild — ein selbst gemaltes. Seinem zeigte einen Weltatlas-Umriss mit einem kleinen Axolotl darauf.

Er schaute das Bild lange an. Er dachte: Das ist für mich. Weil sie weiß, dass ich Länder mag.

Das war genau das Richtige.

„Abschiede nehmen bedeutet nicht, dass etwas aufhört. Es bedeutet, dass etwas fertig ist — und dass das, was man gelernt hat, mitkommt. Für immer."

Auf dem Heimweg hielt er das Bild fest. Mama fragte: „Wie war es?"

„Komisch", sagte er. „Aber gut. Beides."

Mama nickte. „Dann war es ein richtiger Abschied."

Er dachte an den ersten Tag in der Kita. Damals war er so still gewesen. Und jetzt kannte er dreiundzwanzig Bäume, und wusste wie man atmet wenn man zu voll ist, und hatte gelernt, dass eine Flasche aufheben manchmal Hallo bedeutet.

Die Kita hatte er im Herzen. Die Schule wartete.

Er war bereit.

🎒 Den Übergang Kita-Schule begleiten — was Kinder (und Eltern) stärkt

Der Übergang von der Kita zur Schule ist ein echter Entwicklungsschritt — mit echten Gefühlen auf beiden Seiten. Drei Dinge helfen:

  • Gemischte Gefühle normalisieren: Freude und Traurigkeit gleichzeitig zu fühlen ist keine Widersprüchlichkeit — es ist emotionale Reife. Kinder, die das wissen, fühlen sich nicht verwirrt, sondern verstanden.
  • Was bleibt, benennen: Statt den Verlust zu betonen, gemeinsam sammeln: Was habe ich gelernt? Was nehme ich mit? Das gibt dem Kind Handlungsfähigkeit und Kontinuität.
  • Rituale für den Abschluss: Ein kleines Erinnerungsstück, ein letztes gemeinsames Ritual, ein Brief von der Erzieherin — das hilft dem Kind, den Abschluss emotional zu verankern.

Für neurodivergente Kinder ist der Übergang besonders herausfordernd, weil neue Strukturen, neue Personen und neue Regeln gleichzeitig auf sie einwirken. Frühzeitige Schulbesichtigungen, Gespräche mit der zukünftigen Lehrkraft und klare Informationen über den Ablauf des ersten Schultages helfen sehr.

Nachbesprechung — Fragen für Eltern und Kinder
💡 Für Eltern: Den Schulübergang vorbereiten

Für Kinder mit Autismus oder ADHS kann der Übergang zur Schule eine besondere Herausforderung sein: eine neue Umgebung, neue soziale Dynamiken, neue Strukturen — alles gleichzeitig. Frühzeitige und konkrete Vorbereitung ist hier besonders wertvoll.

Empfehlenswert: Schulbesichtigung vor den Sommerferien, Informationsgespräch mit der künftigen Lehrkraft über die besonderen Bedürfnisse des Kindes, und — falls vorhanden — ein Übergangs-Fördergespräch zwischen Kita und Schule. Viele Schulen bieten das an.

Zu Hause: Gemeinsam den ersten Schultag visualisieren (Wie sieht der Weg aus? Wo ist die Garderobe?), Routinen schon in den Ferien anpassen (früher aufstehen, strukturierte Morgenroutine), und den Abschluss von der Kita als echten Meilenstein feiern — nicht nur als Ende, sondern als Anfang.

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