Der Lernolotl hatte es seit Montag gewusst.
Am Freitag, hatte Frau Brandt gesagt, gehen wir in den Stadtpark. Wir schauen uns die Enten an. Wir bringen Brot mit. Wir zählen, wie viele Bäume wir sehen können.
Der Lernolotl liebte das Zählen. Er liebte Bäume. Er liebte es besonders, wenn man Dinge wusste, die kommen würden.
Er hatte seinen Rucksack am Donnerstagabend gepackt. Brottüte. Wasserflasche. Den kleinen Notizblock, um die Bäume aufzuschreiben. Er hatte sogar nachts davon geträumt: sechsundzwanzig Bäume, mindestens.
Am Freitagmorgen war der Himmel grau wie nasse Wolle.
Der Lernolotl hatte das gesehen, als er aus dem Fenster schaute. Aber er hatte gedacht: Vielleicht hört es auf. Vielleicht ist es nur ein bisschen grau. Vielleicht.
Dann stand er in der Garderobe der Kita, Rucksack noch auf dem Rücken, und Frau Brandt sagte ruhig und freundlich: „Heute müssen wir leider drin bleiben. Es regnet zu stark."
In dem Moment passierte etwas in seinem Bauch.
Es war nicht einfach Traurigkeit. Es war heißer. Es brodelte. Es drückte von innen nach außen. Er wollte schreien, aber er wusste nicht, warum er schreien wollte, weil Frau Brandt doch nichts falsch gemacht hatte — und das machte es noch schlimmer.