Ich will nicht schlafen! — Lernolotl und die Ruhestunde

Nach dem Mittagessen kommt die Ruhestunde. Die anderen schlafen — aber der Lernolotl nicht. Sein Kopf denkt zu viel. Er kennt das Gefühl, liegt da und kann nicht aufhören. Frau Brandt hat einen Trick — keinen Schlaf-Trick, sondern einen Ruhe-Trick.

Der Lernolotl denkt nach Frau Brandt
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Nach dem Mittagessen legten sich alle Kinder auf ihre Matten.

Die Jalousien wurden heruntergelassen. Das Licht wurde kleiner. Frau Brandt sprach mit einer Stimme, die langsamer war als sonst.

Der Lernolotl lag auf seiner Matte und starrte an die Decke.

Er wusste, was er tun sollte: schlafen. Aber sein Kopf wusste das anscheinend nicht. Sein Kopf dachte: Warum haben Würmer keine Beine? Und: Wie viele Kacheln sind an der Decke? Und: Wenn man rückwärts zählt von hundert, wann kommt man an? Und dann zählte er rückwärts von hundert.

Zweiundsechzig.

Neben ihm schlief Mia schon. Er konnte ihr Atmen hören. Langsam. Gleichmäßig.

Er selbst atmete nicht langsam. Er atmete normal — und normal war zu schnell zum Schlafen.

Er drehte sich auf die Seite. Dann auf den Rücken. Dann auf die andere Seite. Keine Position war richtig.

😴 💛 😴
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Frau Brandt kniete neben ihm. Sie flüsterte so leise, dass nur er es hören konnte.

Frau Brandt
Frau Brandt
„Du musst nicht schlafen. Du musst nur ruhen. Das ist ein Unterschied."

Der Lernolotl überlegte. Ruhen. Das klang einfacher als schlafen. Beim Schlafen musste der Kopf aufhören. Beim Ruhen — durfte der Kopf vielleicht noch ein bisschen?

Frau Brandt sagte: „Schau mal, was du siehst, wenn du die Augen zumachst. Einfach so. Was kommt?"

Er machte die Augen zu. Am Anfang nichts. Dann kam ein Bild: der Weltatlas-Puzzle. Australien.

Er ließ das Bild kommen. Er dachte nicht daran. Er schaute es nur an. Wie man ein Buch anschaut, das man schon kennt.

Sein Atem wurde langsamer. Er merkte es nicht sofort. Aber nach einer Weile war die Decke mit den Kacheln nicht mehr so wichtig.

Er schlief nicht ein. Aber er ruhte sich aus. Wirklich.

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Als die Ruhestunde vorbei war, sagte Frau Brandt leise zu allen: „Aufwachen."

Mia reckte sich. Ben blinzelte. Der Lernolotl war schon wach — er hatte nie wirklich geschlafen. Aber er fühlte sich anders als vorher.

Weniger voll. Ruhiger. Als hätte der Kopf doch ein bisschen aufgeräumt, auch ohne dass er eingeschlafen war.

„Schlafen und Ruhen ist nicht dasselbe. Manchmal ist Ruhen genug — wenn man den Kopf nicht zwingt, sondern ihn einfach schauen lässt, was kommt."

Zu Hause erzählte er Mama davon. Er sagte: „Frau Brandt hat gesagt, ich muss nicht schlafen. Nur ruhen."

Mama schaute ihn an. „Hat das geholfen?"

Er dachte nach. „Ja. Ich habe Australien gesehen."

Mama lachte. Dann sagte sie: „Das klingt nach einem guten Ruhen."

Er nickte. Das stimmte.

😴 Ruhestunde ohne Schlafzwang — was wirklich hilft

Viele Kinder können in der Kita-Ruhestunde nicht einschlafen — das ist normal und kein Problem, solange echte Ruhe möglich ist. Drei Ansätze helfen:

  • Schlafen und Ruhen trennen: „Du musst nicht schlafen" nimmt den Druck heraus. Druck verhindert Schlaf — Entspannung ermöglicht ihn manchmal trotzdem.
  • Mentale Bilder statt Gedankenstopp: Statt „Hör auf zu denken" lieber: „Was siehst du, wenn du die Augen zumachst?" Bilder fließen lassen ist einfacher als Gedanken stoppen.
  • Körper beruhigen zuerst: Langsames Atmen, Augen zu — auch wenn der Kopf noch aktiv ist, erholt sich der Körper. Das reicht für viele Kinder als Erholung.

Für Kinder mit ADHS ist der Kopf oft schwerer abzuschalten. Das ist keine Verweigerung, sondern Neurobiologie. Ein kurzes Ritual (dreimal tief atmen, Lieblingsding vorstellen) hilft dem Übergang in den Ruhezustand.

Nachbesprechung — Fragen für Eltern und Kinder
💡 Für Eltern: Wenn Kinder nicht schlafen können

Kinder mit ADHS haben häufig Ein- und Durchschlafprobleme — nicht aus mangelnder Müdigkeit, sondern weil das Gehirn Schwierigkeiten hat, die Aktivierung herunterzuregeln. Der Übergang von Wachheit zu Schlaf erfordert eine Absenkung der Dopaminaktivität, die bei ADHS-Gehirnen oft verzögert abläuft.

Was hilft: feste Rituale statt Spontaneität, körperliche Ruhesignale (Licht dimmen, ruhige Stimme, kein Bildschirm 30 Minuten vorher), und die Botschaft: Du musst nicht schlafen — du darfst ruhen. Das nimmt den Schlafdruck heraus, der paradoxerweise am stärksten wachhält.

In der Kita kann die Absprache mit Erzieher:innen helfen: manche Kinder brauchen eine stille Beschäftigung (Bücher anschauen, leise spielen) statt der erzwungenen Liegezeit.

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