Herr Mayer erklärte gerade etwas über Brüche. Der Lernolotl wusste das, weil er die Tafel sah und „Brüche" dort stand. Er sah das Wort. Aber er hörte gerade nicht zu.
Er dachte an Tintenfische.
Genauer gesagt: Er dachte daran, dass Tintenfische drei Herzen haben. Und blaues Blut. Und neun Gehirne — eines im Kopf und je eines in jedem Arm. Das bedeutete: Ein Tintenfischarm konnte Dinge entscheiden, ohne den Kopf zu fragen.
Könnten die Arme dann auch uneinig sein?, dachte der Lernolotl. Arm drei will nach links, Arm sieben will nach rechts?
„Lernolotl?"
Er zuckte zusammen. Herr Mayer sah ihn an. Nicht böse — eher wie jemand, der etwas zum zweiten Mal sagt.
„Kannst du mir erklären, was ich gerade erklärt habe?"
Der Lernolotl öffnete den Mund. Schloss ihn wieder. Er wusste es nicht. Er hatte es gehört — das Geräusch der Stimme war angekommen. Aber der Inhalt war irgendwo auf dem Weg verloren gegangen, weil ein Tintenfischgedanke schneller gewesen war.
„Ich... war gerade nicht ganz da", sagte er.
Herr Mayer nickte. „Ich weiß", sagte er, ohne einen besonderen Ton dabei. „Komm nach der Stunde kurz zu mir."