Der Lernolotl hatte drei Tage lang gelernt.
Er hatte die Lernkarten zweimal durchgegangen. Er hatte Mama die Hauptstädte abgefragt — alle achtzehn, die drankamen. Er hatte sich Notizen gemacht, die er nochmal gelesen hatte, und Notizen über die Notizen.
Er wusste es. Das war das Erstaunliche und auch das Seltsame: Er wusste es wirklich. Wenn Mama fragte, kam die Antwort sofort. Wenn er die Augen schloss und sich die Karte vorstellte, sah er sie.
Und dann kam der Morgen der Klassenarbeit.
Der Bus hatte nach nassen Schuhen gerochen. Im Klassenzimmer war es wärmer als sonst. Herr Mayer teilte die Blätter aus. Das Blatt landete vor dem Lernolotl.
Er sah die erste Frage. Er kannte die Antwort. Er wusste, dass er sie kannte.
Aber der Kopf war leer.
Nicht ein bisschen leer. Vollständig leer. Wie eine Tafel, die jemand mit einem nassen Schwamm weggewischt hatte. Die Antwort war eben noch da gewesen — und jetzt war da nur noch weißes Rauschen und das Geräusch von Stühlen und sein eigenes Herzschlagen.
Ich weiß es, dachte er. Ich weiß es. Warum kann ich es nicht sagen?