Gemeinsam im Staffelrennen
Beim Staffelrennen kommt es nicht nur auf einen an. Der Lernolotl läuft seinen Teil — und das ist genug.
Ein Staffelrennen hatte eine genaue Reihenfolge.
Das erklärte Herr Koch am Anfang der Stunde: Vier Läufer, vier Abschnitte. Der Erste startet, läuft bis zur Markierung, gibt den Stab weiter. Der Zweite nimmt ihn, läuft bis zur nächsten Markierung. Und so weiter. Wer den Stab fallen lässt, verliert Zeit. Wer ihn zu früh übergibt, wird disqualifiziert.
Der Lernolotl hörte zu und wiederholte die Regeln in Gedanken. Vier Läufer. Vier Abschnitte. Stab übergeben — nicht fallen lassen, nicht zu früh.
Das war klar. Das konnte er.
Herr Koch teilte die Gruppen ein. „Timo, Nora, Lernolotl, und Fabian."
Timo startete als Erster — das war logisch, er war der Schnellste und ein guter Start war wichtig. Nora war Zweite. Der Lernolotl war Dritter. Fabian war Vierter und Letzter.
Sie übten die Übergabe zuerst ohne Rennen. Nora zeigte dem Lernolotl, wie er die Hand halten musste: „Handfläche nach oben, Daumen zur Seite. Dann kommt der Stab von selbst rein."
Sie übten es dreimal. Beim ersten Mal griff der Lernolotl zu früh zu. Beim zweiten Mal zu spät. Beim dritten Mal stimmte es.
„Gut", sagte Nora. Keine Übertreibung, kein „super toll". Nur: gut.
Das war die richtige Menge Lob.
Beim Rennen stand der Lernolotl an seiner Markierung und wartete.
Er sah Timo starten — explosiv, sofort schnell. Er sah Nora den Stab nehmen und laufen, konzentriert, gleichmäßig. Er sah sie auf ihn zukommen.
Sein Herz schlug schneller. Nicht vor Angst — vor Konzentration.
Nora war nah. Er streckte die Hand aus. Handfläche nach oben. Daumen zur Seite.
Der Stab kam.
Er lief. Er lief nicht so schnell wie Timo — das wusste er. Aber er lief so schnell er konnte, und er hielt den Stab fest, und er erreichte Fabian, und er übergab.
Fabian lief den letzten Abschnitt. Sie wurden Zweite — knapp hinter der anderen Gruppe, die Timo schon beim Start einen halben Meter Vorsprung gegeben hatte.
Danach stand das Team zusammen. Timo sagte: „Die Übergabe war sauber." Er schaute dabei den Lernolotl an.
Der Lernolotl dachte kurz nach. „Nora hat mir gezeigt wie."
Nora zuckte die Schultern. „Beim ersten Mal wäre ich auch zu früh gewesen."
Herr Koch kam dazu. „Zweiter Platz. Und keine einzige Disqualifikation. Das ist mehr wert als ein erster Platz mit Fehlern."
Der Lernolotl überlegte das. Ein zweiter Platz mit sauberer Übergabe gegen einen ersten Platz mit Fehler. Die Regel war eingehalten worden. Das war der eigentliche Punkt.
Fabian klopfte ihm kurz auf die Schulter — einmal, nicht zu fest. „Nächstes Mal werden wir Erste."
Vielleicht. Und wenn nicht — die Übergabe würde wieder sauber sein.
Im Team kommt es nicht darauf an, der Beste zu sein.
Es kommt darauf an, seinen Teil gut zu machen — und den anderen zu vertrauen, dass sie ihren tun.
