Staffel 1 • Episode 3

Der schlafende Wächter

Tief unter der Wasseroberfläche begegnet Willi einem uralten Wesen, das seit Jahrhunderten über die Geheimnisse der Tiefsee wacht. Eine neue Aufgabe wartet auf ihn.

Der schlafende Wächter

Als Willi am nächsten Morgen aufwachte, klang das Meer ruhiger als sonst, fast ehrfürchtig. Die Pyramide schien seine Gedanken wie ein Magnet zu ziehen. Immer wieder wanderte sein Blick hinab zur Muschel, die er am Abend auf seinen Nachttisch gelegt hatte. Sie glühte schwach in einem warmen Bernsteinton, als wäre darin eine kleine Sonne gefangen. Willi tippte sie leicht mit einem Fühler an, und sofort vibrierte sie ein einziges Mal – kurz, aber deutlich. Es fühlte sich an wie ein „Es geht weiter."

Er rutschte aus der Tür und rollte den vertrauten Weg zu seinem U-Boot. Das Boot glitzerte im Sonnenlicht, als würde es sich selbst auf die nächste Reise freuen. „Guten Morgen, du Abenteuerkugel", sagte Willi und strich über die Außenwand. Er stieg hinein, schloss die Luke und atmete tief ein. Mit einem leisen Plopp sank er unter die Wasseroberfläche.

Heute war das Wasser klarer als sonst. Die Sonnenstrahlen reichten tief hinab, wie lange, glitzernde Finger, die ihn sanft nach unten leiteten. Willi folgte dem Gefühl, dem Ruf, der aus der Tiefe kam. Er wusste nicht genau, wohin ihn die Muschel diesmal führen würde, aber er vertraute ihr. Sie hatte ihn schon zur Pyramide geführt, und die Pyramide hatte ihn begrüßt.

Je tiefer er tauchte, desto dunkler wurde das Wasser – und desto wärmer wurde das Leuchten der Muschel. Plötzlich erhellte ein riesiger Schatten vor ihm die Umgebung. Willi hielt inne. Es war, als würde ein Berg im Wasser schlafen. Erst als er näher schwebte, erkannte er: Das war kein Felsen.

Es war eine gigantische Schildkröte, deren Panzer wie geformte Korallen aussah. Und sie schlief.

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Willi blieb wie erstarrt stehen – naja, so erstarrt wie ein Wurm im U-Boot eben sein konnte. Die Schildkröte war gewaltig, bestimmt so groß wie das Haus seiner Mama. Ihr Panzer war bedeckt von kleinen Pflanzen, Muscheln und leuchtenden Punkten, die wie Sterne funkelten. Je länger Willi hinsah, desto mehr erkannte er Muster darauf: Linien, die wie Karten wirkten. Wege. Zeichen. Symbole.

Die Muschel vibrierte plötzlich zweimal.

Bumm … bumm.

Willi wusste: Das bedeutete etwas Wichtiges.

Er wagte sich ein Stück näher. Langsam schwebte das U-Boot bis auf wenige Meter an die riesige Kreatur heran. Er hielt den Atem an. Was, wenn sie aufwachte und nicht besonders freundlich war? Aber gleichzeitig fühlte er etwas Warmes. Etwas, das ihm den Mut gab, weiterzufahren.

Da bewegte sich ein Augenlid. Ganz langsam. Die Schildkröte öffnete ein Auge, so groß wie eine runde Fensterscheibe. Und dann – lächelte sie.

„Willi der Wurm", brummte eine tiefe, ruhige Stimme, die vom Wasser getragen wurde.

Willi riss die Augen auf. „Du … du kennst meinen Namen?"

„Natürlich", sagte die Schildkröte. „Ich bin der Wächter der ersten Tür. Ich bewache diesen Teil der Tiefsee schon seit sehr langer Zeit."

Willi spürte, wie ihm warm wurde. Wenn selbst ein uraltes Meereswesen ihn kannte, dann musste er wirklich auf einem bedeutenden Weg sein.

„Du trägst etwas Wichtiges bei dir", sagte der Wächter und blickte auf die vibrierende Muschel. „Sie hat dich geweckt. Jetzt bist du bereit, weiterzugehen."

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„Bereit? Wofür?", fragte Willi. Er hatte so viele Fragen, dass sie fast aus ihm heraussprudelten. Doch die Schildkröte lächelte nur gelassen.

„Für das, was noch kommt", antwortete der Wächter. „Die Muschel zeigt dir den Pfad – aber nur, wenn du mutig genug bist, ihm zu folgen."

Die Schildkröte hob ihren gigantischen Kopf und deutete mit einer sanften Bewegung in die Dunkelheit. Willi konnte dort nichts sehen. Nur Wasser. Viel Wasser.

„Die erste Tür befindet sich tief unter uns", sagte der Wächter. „Doch sie bleibt verschlossen, bis du den Schlüssel findest."

„Schlüssel?", fragte Willi verwundert.

„Ja", brummte der Wächter. „Ohne ihn wirst du nicht weiterkommen. Mit ihm wirst du jedoch mehr entdecken, als du dir vorstellen kannst."

Willi wollte noch etwas fragen, doch die Schildkröte schloss ihre Augen wieder. „Geh nun, kleiner Wurm. Meine Aufgabe war es, dich zu wecken. Die nächste Aufgabe liegt bei dir."

Willi nickte, obwohl der Wächter es wohl nicht mehr sah. Er spürte ein tiefes Kribbeln im Bauch – eine Mischung aus Angst, Abenteuerlust und Staunen. Er wusste nun: Die Tiefsee war voller Geheimnisse, und die Pyramide war nur der Anfang.

Er drehte sein U-Boot langsam. Ein letzter Blick auf den schlafenden Wächter – dann setzte er den Kurs in die Richtung, in die das gigantische Wesen gedeutet hatte. Die Muschel vibrierte wieder, diesmal dreimal, in einem beruhigenden Rhythmus.

Bumm … bumm … bumm.

„Ich finde diesen Schlüssel", sagte Willi leise. „Ganz egal, wo er versteckt ist."

Und tief unten in der Dunkelheit funkelte kurz ein Licht.

Ein Hinweis.

Ein Wegweiser.

Ein Beginn.

Was für ein Schlüssel wartet in der Tiefe? Welche Tür wird er öffnen?

Das Abenteuer geht weiter in Episode 4! 🌊

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Warum ist die Schildkröte so groß und alt?
• Was könnte der Schlüssel sein, den Willi suchen muss?
• Würdest du dich trauen, in die Dunkelheit zu tauchen?
• Was glaubst du, was hinter der ersten Tür ist?

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