Der dunkle Gang schloss sich hinter Willi wie ein Vorhang, der eine Bühne wechselt. Das Licht des Erinnerungspfades verblasste, und eine neue Stille füllte den Raum. Eine Stille, die alt wirkte. Älter als die Pyramiden. Älter als die Wächter. Vielleicht älter als die Tiefsee selbst.
Willi schwebte vorsichtig weiter. Die Muschel glühte nicht mehr golden, sondern in einem ruhigen Blau. Der Schlüssel hingegen strahlte ein weiches Weiß aus – ein Zeichen, das er bisher nie gesehen hatte. Es fühlte sich an, als wären beide plötzlich… ernster geworden.
Nach einigen Minuten öffnete sich der Gang in einen riesigen Saal. Willi hielt die Luft an.
Vor ihm erhob sich eine dritte Pyramide.
Sie war anders als die anderen.
Nicht golden.
Nicht weiß.
Sondern schwarzblau wie die tiefste Nacht – und gleichzeitig durchzogen von leuchtenden Linien, die in allen Farben glitzerten. Die Spitze der Pyramide pulsierte langsam, als wäre sie ein gewaltiges Herz. Das Herz der Tiefsee.
Willi fuhr näher.
Mit jedem Meter spürte er stärker, dass hier alles endete – und begann.
Die Muschel vibrierte.
Sanft.
Behutsam.
Fast traurig.
„Was ist los?", flüsterte Willi.
Da ertönte eine Stimme.
Nicht laut.
Nicht unheimlich.
Sondern vertraut.
„Willi… du hast die Wege der Tiefsee gesehen. Du hast die Schlüssel gefunden. Du hast die Türen geöffnet."
Willi suchte nach einer Figur, nach einem Wächter, nach etwas Greifbarem – aber die Stimme kam aus der Pyramide selbst.
„Warum… ich?", fragte Willi leise.
Die Pyramide antwortete:
„Weil die Tiefsee jemand brauchte, der mit einem offenen Herzen schaut. Nicht mit Gier. Nicht mit Angst. Sondern mit Neugier."
Willi schluckte. Seine Fühler zitterten.
Die Pyramide begann heller zu leuchten.
Ein Tor zeichnete sich ab.
Die dritte und letzte Tür.
Und Willi wusste:
Er musste hindurch.