Lina und der Mut in der Muschel

Lina lebt am Meer und liebt den Strand, doch das Wasser macht ihr Angst. Die Wellen sind laut und unvorhersehbar. Als sie eine besondere Muschel findet, beginnt eine Reise zu mehr Mut – Schritt für Schritt, Welle für Welle. Eine Geschichte darüber, dass Mut Zeit braucht und man sich selbst die Erlaubnis geben darf, langsam zu sein.

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Lina lebte mit ihrer Familie in einem kleinen, hellen Haus direkt am Meer. Jeden Morgen wurde sie vom Rufen der Möwen geweckt, und abends hörte sie das gleichmäßige Rauschen der Wellen, wenn sie im Bett lag. Lina liebte vieles am Strand: den warmen Sand unter ihren Füßen, die bunten Steine und die Muscheln, die bei Ebbe überall lagen. Besonders gern sammelte sie Muscheln und ordnete sie nach Farben und Formen.

Doch so sehr Lina den Strand mochte, das Meer selbst machte ihr Angst. Die Wellen waren laut und kamen immer wieder, ganz egal, ob man bereit dafür war oder nicht. Wenn Lina das Wasser ansah, klopfte ihr Herz schneller. In ihrem Kopf tauchten viele Fragen auf: Was, wenn mich eine Welle umstößt? Was, wenn ich den Boden nicht mehr spüre?

Ihr Papa sagte oft: „Du musst nicht ins Wasser gehen, wenn du nicht möchtest." Das beruhigte Lina ein wenig, aber die Angst blieb trotzdem.

Eines Nachmittags, als Lina allein am Strand entlanglief, entdeckte sie eine Muschel, die anders aussah als alle anderen. Sie schimmerte leicht und fühlte sich warm an. Lina hob sie vorsichtig auf und hielt sie an ihr Ohr. Da hörte sie eine ganz leise Stimme: „Mut wächst langsam, genau wie eine Welle."

Lina wusste nicht, ob sie sich das nur einbildete, aber die Worte fühlten sich gut an. Sie steckte die Muschel in ihre Tasche und nahm sie mit nach Hause.

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Von diesem Tag an hatte Lina die Muschel immer bei sich, wenn sie zum Strand ging. Immer wenn sie das Meer sah und die Angst in ihr größer wurde, legte sie die Hand auf die Muschel und atmete tief ein und langsam wieder aus, so wie ihre Mama es ihr gezeigt hatte. Dabei sagte sie leise zu sich selbst: „Ich darf mir Zeit lassen."

Zuerst setzte Lina sich nur ganz nah ans Wasser und beobachtete die kleinen Wellen. An einem anderen Tag hielt sie nur die Zehenspitzen hinein. Das Wasser war kalt, und die Angst war noch da, aber sie lief nicht mehr weg.

Ein paar Tage später kam ihre Freundin Mila mit an den Strand. Gemeinsam bauten sie Burgen aus Sand. Als eine kleine Welle näherkam, hielten sie sich an den Händen und lachten. Lina merkte, dass die Angst kleiner wurde, wenn sie nicht allein war.

Schließlich stand Lina knietief im Wasser. Ihr Herz klopfte, aber sie war stolz. Sie musste nicht weitergehen. Sie hatte selbst entschieden.

Am Abend hielt Lina die Muschel noch einmal ans Ohr. Die Stimme war nicht mehr zu hören. Und doch wusste Lina: Der Mut war jetzt in ihr.

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Wovor hatte Lina Angst? Kannst du das verstehen?
• Was hat die Muschel zu Lina gesagt?
• Wie ist Lina langsam mutiger geworden?
• Was bedeutet es, dass „Mut Zeit braucht"?
• Gibt es etwas, wovor du Angst hast? Wie könntest du damit umgehen?
• Was hat dir geholfen, als du mal etwas Mutiges gemacht hast?

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