Mila und der geteilte Apfel

Mila ist ein Mädchen, das genau weiß, was sie mag – und vor allem, dass Dinge gerecht verteilt sein sollten. Als ihr Opa einen Apfel ungleich teilt, muss Mila lernen, ihren Blick zu verändern. Eine berührende Geschichte darüber, dass Dankbarkeit nicht bedeutet, dass alles gleich sein muss, sondern zu spüren, was gerade reicht.

Mila und der geteilte Apfel
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Mila war ein Mädchen, das sehr genau wusste, was sie mochte – und was nicht. Sie mochte rote Äpfel lieber als grüne, sie mochte große Stücke lieber als kleine, und sie mochte es, wenn Dinge gerecht verteilt wurden. Besonders dann, wenn es um sie selbst ging.

An diesem Nachmittag ging Mila mit ihrem Opa spazieren. In seiner Tasche hatte er einen Apfel dabei. Als sie sich auf eine Bank setzten, holte der Opa den Apfel hervor und schnitt ihn in zwei Stücke. Das eine Stück war deutlich größer als das andere.

Mila schaute genau hin. Ihr Bauch spannte sich an. Warum ist das Stück nicht gleich groß?, dachte sie. Das ist unfair.

Der Opa reichte Mila das kleinere Stück und behielt das größere für sich. Mila nahm es, aber ihre Hand fühlte sich schwer an. Der Apfel schmeckte süß, doch Mila kaute langsam. In ihrem Kopf drehte sich alles um das größere Stück.

Sie sah den Opa an, wie er ruhig aß und in die Bäume schaute. Er wirkte zufrieden. Mila dagegen fühlte sich innerlich unruhig. Etwas fehlte.

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Nach einer Weile fragte der Opa: „Schmeckt dir der Apfel?"

Mila nickte zögerlich. „Ja… aber dein Stück ist größer."

Der Opa lächelte sanft. „Das stimmt", sagte er. „Aber schau mal: Ich habe heute schon gegessen. Und ich freue mich, dass ich diesen Apfel mit dir teilen kann."

Mila hielt inne. Sie schaute noch einmal auf ihr Stück. Es war saftig, frisch und genau richtig für ihre Hand. Sie spürte plötzlich, dass sie satt war – nicht nur im Bauch.

Sie blickte um sich. Die Sonne schien durch die Blätter, Vögel zwitscherten, und der Opa saß neben ihr. Etwas in ihr wurde weich.

„Danke", sagte Mila leise.

Der Opa nickte. „Dankbarkeit fühlt sich oft so an", sagte er. „Wie ein ruhiges Genug."

Mila biss noch einmal in den Apfel. Er schmeckte jetzt noch ein bisschen besser.

Mila lernte: Dankbarkeit heißt nicht, dass alles gleich sein muss. Sie heißt, zu spüren, was gerade reicht.

🍎 Die Mila-Technik – Von Vergleichen zu Genügsamkeit

Diese Übung hilft Kindern, den Fokus vom Vergleichen zum Wertschätzen zu verschieben:

  • Vergleiche bemerken: Wann schaue ich darauf, was andere haben?
  • Die eigenen Gedanken wahrnehmen: Was denke ich gerade? Fühlt sich das schwer an?
  • Auf das eigene schauen: Was habe ich? Reicht es für mich?
  • Die Umgebung wahrnehmen: Was ist noch da außer dem, was ich vergleiche?
  • Das Gefühl von "Genug" spüren: Bin ich satt? Warm? Sicher?
  • Sich erinnern: Jemand hat mit mir geteilt – das ist ein Geschenk
  • Dankbarkeit aussprechen: "Danke" sagen, auch wenn etwas nicht perfekt ist

Diese Technik vermittelt, dass Gerechtigkeit wichtig ist, Dankbarkeit aber bedeutet, das Gute zu sehen, das bereits vorhanden ist – auch wenn nicht alles gleich verteilt ist.

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Was mochte Mila gerne?
• Mit wem ging Mila spazieren?
• Was hatte der Opa dabei?
• Wie schnitt der Opa den Apfel?
• Welches Stück bekam Mila?
• Wie fühlte sich Mila zuerst?
• Was sagte der Opa über das Teilen?
• Was bemerkte Mila um sich herum?
• Was bedeutet "ein ruhiges Genug"?
• Vergleichst du dich manchmal mit anderen?
• Wann fühlst du dich zufrieden mit dem, was du hast?
• Wie fühlt es sich an, wenn jemand mit dir teilt?

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