Lena war ein aufgewecktes Mädchen mit schnellen Gedanken. In der Schule hatte sie fast immer jemanden zum Spielen. Meist verabredete sie sich schon am Morgen für die Pause. Das gab ihr ein gutes Gefühl. Dann wusste sie, wohin sie gehörte.
An diesem Tag jedoch war alles anders. Ihre beste Freundin war krank, ein anderes Kind spielte etwas Neues, und niemand hatte Lena gefragt, ob sie mitmachen wollte. Als die Pausenglocke läutete, stand Lena einen Moment lang einfach da.
Der Schulhof war laut. Kinder rannten, riefen, lachten. Und mittendrin stand Lena – still. Sie spürte, wie ihr Bauch sich zusammenzog. Ihre Arme fühlten sich plötzlich schwer an.
Was mache ich jetzt?, dachte sie. Zu wem gehe ich?
Lena lief ein paar Schritte, blieb wieder stehen, tat so, als würde sie sich ihre Schuhe anschauen. Sie wollte nicht, dass jemand merkte, dass sie keinen Plan hatte. In ihrem Hals saß ein Kloß. Das war Einsamkeit. Sie kam leise, obwohl so viele Menschen da waren.
Lena setzte sich auf eine Bank am Rand des Hofes. Von dort aus sah sie alles – und fühlte sich doch nicht richtig dabei.