Noah und das lange Wochenende

Noah ist ein ruhiger Junge, der gern baut und es mag, wenn jemand neben ihm sitzt – auch ohne Worte. Doch an diesem Wochenende sind alle beschäftigt, und Noah bleibt mit seinem Opa allein. Während er einen hohen Turm baut, spürt er eine Leere in seiner Brust. Eine Geschichte darüber, dass es mutig ist, über Einsamkeit zu sprechen – und dass Nähe manchmal mit einem einzigen Satz beginnt.

Noah und das lange Wochenende
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Noah war ein ruhiger Junge, der gern baute. Mit Bauklötzen, mit Stöcken, mit allem, was er finden konnte. Er mochte es, wenn jemand neben ihm saß, auch wenn sie nicht redeten. Dann fühlte er sich sicher.

An diesem Wochenende jedoch waren viele Dinge anders. Seine Eltern mussten arbeiten, seine Schwester war bei einer Freundin, und Noah blieb zu Hause bei seinem Opa. Der Opa war freundlich, aber er las viel Zeitung und sprach nicht besonders viel.

Am Samstagmorgen baute Noah allein im Wohnzimmer einen hohen Turm. Er wurde höher und höher. Doch niemand sah zu. Niemand sagte etwas. Noah schaute kurz zur Tür, dann wieder auf seinen Turm.

Ein leises, schweres Gefühl legte sich in seine Brust. Es war nicht Traurigkeit. Es war etwas anderes. Etwas Leeres. Noah setzte sich auf den Boden und zog die Beine an.

Alle sind beschäftigt, dachte er. Niemand braucht mich gerade.

Der Tag zog sich. Die Uhr tickte laut. Noah spürte: Er war allein – und es fühlte sich einsam an.

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Noah erinnerte sich an etwas, das seine Mutter oft sagte: „Wenn du dich einsam fühlst, darfst du das sagen."

Er stand auf und ging langsam zu seinem Opa. „Opa", sagte er leise, „mir ist irgendwie leer."

Der Opa legte die Zeitung beiseite und schaute Noah an. „Danke, dass du mir das sagst", sagte er ruhig.

Sie setzten sich gemeinsam an den Tisch. Noah holte seine Bauklötze dazu. Der Opa fragte, was Noah baute. Noah erklärte es genau.

Der Turm wuchs wieder. Und diesmal war jemand da.

Noah spürte, wie die Leere kleiner wurde. Sie verschwand nicht ganz, aber sie war nicht mehr allein bei ihm.

Noah lernte: Einsamkeit wird leichter, wenn man sie teilt. Und manchmal beginnt Nähe mit einem einzigen Satz.

👦 Die Noah-Technik – Einsamkeit aussprechen

Diese Übung hilft Kindern, Einsamkeit zu erkennen und auszusprechen:

  • Das Gefühl im Körper spüren: Wo sitzt die Leere? In der Brust? Im Bauch? Fühlt sie sich schwer oder kalt an?
  • Den Unterschied erkennen: Ist das Traurigkeit – oder etwas anderes? Einsamkeit fühlt sich oft leer und still an
  • Die eigenen Gedanken bemerken: Denke ich „Niemand braucht mich" oder „Alle sind beschäftigt"?
  • Sich erlauben, es zu sagen: „Mir ist irgendwie leer" oder „Ich fühle mich einsam" – das ist mutig, nicht schwach
  • Einfache Worte finden: Man muss nicht viel erklären – manchmal reicht ein kurzer Satz
  • Zu jemandem gehen: Nicht warten, bis jemand es merkt – selbst den ersten Schritt machen
  • Verstehen: Einsamkeit wird leichter, wenn man sie teilt – sie muss nicht allein getragen werden

Diese Technik zeigt Kindern, dass es in Ordnung ist, das Bedürfnis nach Nähe auszusprechen. Sie lernen, dass Menschen oft helfen möchten, wenn sie wissen, was los ist – und dass ein einziger Satz manchmal reicht, um Verbindung herzustellen.

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Was baute Noah gerne?
• Wo waren Noahs Eltern und seine Schwester?
• Bei wem blieb Noah zu Hause?
• Was baute Noah am Samstagmorgen?
• Was spürte Noah in seiner Brust?
• Was dachte Noah, während er allein spielte?
• Was hatte Noahs Mutter ihm gesagt?
• Was sagte Noah zu seinem Opa?
• Wie reagierte der Opa?
• Was machten Noah und sein Opa dann zusammen?
• Hast du dich auch schon mal leer gefühlt?
• Fällt es dir leicht oder schwer, über solche Gefühle zu sprechen?
• Zu wem gehst du, wenn du dich einsam fühlst?

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