Paul und der Turm, der immer wieder fiel

Paul liebt es zu bauen und hat ganz genaue Bilder im Kopf, wie etwas aussehen soll. Doch manchmal klappt es einfach nicht – und das macht wütend, traurig und frustriert. Eine einfühlsame Geschichte darüber, dass Frustration und Enttäuschung zeigen, wie wichtig uns etwas ist, und dass Scheitern Teil des Lernens ist.

Paul und der Turm, der immer wieder fiel
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Paul liebte es zu bauen. Mit Bauklötzen, Kartons oder allem, was sich stapeln ließ. In seinem Kopf hatte er oft ganz genaue Bilder davon, wie etwas aussehen sollte. Wenn es dann genauso wurde, fühlte sich Paul stark und zufrieden.

An diesem Nachmittag wollte Paul einen besonders hohen Turm bauen. Einen, der höher war als der Tisch, höher als der Stuhl, fast bis zum Fenster. Er setzte Klotz auf Klotz, ganz vorsichtig. Seine Zunge lugte ein wenig aus dem Mund, so sehr konzentrierte er sich.

Doch kurz bevor der Turm fertig war, wackelte er. Ein leises Klacken, dann fiel alles zusammen. Die Klötze rollten über den Boden.

Pauls Brust wurde heiß. Sein Herz schlug schneller. Schon wieder, dachte er. Er begann sofort von vorn. Schneller diesmal. Fester.

Der Turm fiel wieder.

Paul spürte, wie sich etwas Hartes in ihm zusammenzog. Seine Augen brannten. Er wollte schreien, die Klötze wegwerfen, aufgeben – und gleichzeitig weitermachen.

„Das ist doof!", rief er laut.

Sein Papa, der im Raum daneben war, kam dazu. Er sagte nichts, setzte sich nur neben Paul.

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„Ich wollte, dass es klappt", sagte Paul leise. „Aber es klappt nie."

Der Papa nickte. „Das fühlt sich frustrierend an", sagte er ruhig. „Und auch enttäuschend."

Paul atmete schwer. Er fühlte sich gesehen. Das harte Gefühl wurde ein kleines bisschen weicher.

„Wollen wir kurz anhalten?", fragte der Papa. „Nicht aufhören – nur anhalten."

Paul nickte zögerlich. Sie sammelten die Klötze langsam ein. Paul merkte, wie sein Atem ruhiger wurde.

Dann sagte der Papa: „Manchmal zeigt uns Frustration, dass uns etwas wichtig ist. Und Enttäuschung heißt, dass wir gehofft haben."

Paul dachte darüber nach. Er baute weiter, diesmal langsamer. Der Turm wurde niedriger – aber stabiler.

Als er fertig war, war der Turm nicht so hoch wie geplant. Aber er stand.

Paul lächelte müde.

Paul lernte: Frustration und Enttäuschung sind keine Feinde. Sie sind Zeichen dafür, dass wir etwas versuchen – und dabei wachsen.

🧱 Die Paul-Technik – Anhalten statt aufgeben

Diese Übung hilft Kindern, mit Frustration und Enttäuschung umzugehen:

  • Das Gefühl benennen: „Das fühlt sich frustrierend an" oder „Ich bin enttäuscht"
  • Kurz anhalten, nicht aufgeben: Eine Pause machen, um Abstand zu gewinnen
  • Langsam weitermachen: Mit ruhigerem Atem und weniger Druck
  • Die Erwartung anpassen: Vielleicht wird es anders als geplant – und das ist okay
  • Kleine Erfolge sehen: Auch ein niedrigerer, aber stabiler Turm ist ein Erfolg
  • Die Bedeutung verstehen: Frustration zeigt, dass uns etwas wichtig ist
  • Wachstum erkennen: Jeder Versuch lehrt uns etwas, auch wenn er nicht perfekt ist
  • Begleitung zulassen: Jemand, der da ist und versteht, hilft beim Verarbeiten

Diese Technik vermittelt, dass Frustration und Enttäuschung natürliche Reaktionen sind, wenn uns etwas wichtig ist. Sie zeigt, dass Scheitern nicht das Ende ist, sondern Teil des Lernprozesses – und dass manchmal eine Pause und eine neue Perspektive helfen, weiterzukommen.

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Was liebte Paul zu tun?
• Was wollte Paul an diesem Nachmittag bauen?
• Was passierte mit dem Turm?
• Wie fühlte sich Paul, als der Turm fiel?
• Was rief Paul laut?
• Wer kam zu Paul?
• Was sagte der Papa über das Gefühl?
• Was schlug der Papa vor?
• Was machten Paul und sein Papa zusammen?
• Wie baute Paul den nächsten Turm?
• War der Turm am Ende so wie Paul ihn sich vorgestellt hatte?
• Was hat Paul über Frustration und Enttäuschung gelernt?
• Hast du dich auch schon mal frustriert gefühlt, weil etwas nicht klappte?
• Was hilft dir, wenn du enttäuscht bist?

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