Ich kann nicht einschlafen — mein Kopf hört nicht auf

Es ist dunkel. Die anderen schlafen. Aber der Kopf des Lernolotl dreht sich weiter — durch den Schultag, durch morgen, durch alles auf einmal. Bis Mama ihm zeigt, wie man dem Kopf sagt: Jetzt ist Schluss für heute.

Der Lernolotl Mama
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Das Licht war aus. Die Tür war angelehnt. Der Lernolotl lag in seinem Bett und starrte an die Decke.

Er war müde. Das wusste er. Seine Augen brannten ein bisschen und die Beine fühlten sich schwer an. Aber der Kopf schlief nicht.

Der Kopf dachte an die Mathestunde von heute. Hatte er wirklich die richtige Antwort gesagt? Herr Mayer hatte genickt — aber vielleicht hatte er nur höflich genickt. Was, wenn die Antwort falsch war?

Dann dachte der Kopf an morgen. Sportunterricht. Herr Koch würde wahrscheinlich Staffellauf machen. Der Lernolotl mochte Staffellauf nicht besonders. Aber er konnte schon schneller laufen als letztes Jahr. War das genug?

Dann dachte der Kopf an Axolotl. Können Axolotl wirklich Körperteile nachwachsen lassen? Er musste das morgen unbedingt nachschlagen.

Dann dachte der Kopf an Pizza. Er hatte heute Abend keine Pizza gehabt, aber er dachte trotzdem an Pizza.

Der Lernolotl drehte sich auf die Seite. Dann auf die andere. Dann auf den Rücken. Warum war der Kopf nie so laut wie jetzt?

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— Seite 2 —

Die Tür öffnete sich. Mama schaute hinein.

„Noch wach?"

„Mein Kopf denkt", sagte der Lernolotl.

Mama kam herein und setzte sich auf die Bettkante. Sie roch nach Tee und nach dem Buch, das sie gerade gelesen hatte.

„Was denkt er gerade?"

„Alles", sagte der Lernolotl. „Die Schule. Morgen. Axolotl. Pizza. Immer weiter."

Mama nickte. Sie sagte nicht „Stell das Denken einfach ab" — das wäre ungefähr so hilfreich wie zu sagen „Hör auf zu atmen". Mama kannte den Kopf des Lernolotl gut genug, um das zu wissen.

Stattdessen fragte sie: „Sollen wir dem Kopf heute Abend einen Job geben, damit er aufhören kann, selber zu suchen?"

Mama
Mama
„Wenn der Kopf weiß, dass er morgen noch denken darf — dann lässt er dich heute Nacht in Ruhe."

Sie holte das kleine Heft vom Nachttisch — das Heft, in das der Lernolotl manchmal Sachen zeichnete. Mama nannte es das Kopf-Ablage-Heft.

„Schreib drei Dinge rein, die du gerade denkst. Und drei Dinge, die du morgen noch weißt, weil sie dort drin stehen."

Der Lernolotl schrieb: Axolotl nachschlagen. Staffellauf. Mathe-Antwort war richtig. Das dritte hatte er einfach entschieden. Er würde davon ausgehen, dass sie richtig war. Das fühlte sich gut an.

Mama las es und nickte. „Das hört sich vollständig an."

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Dann machten sie das Atemübungs-Ding. Mama hatte es ihm mal gezeigt: vier Sekunden einatmen, vier halten, vier ausatmen.

Einatmen: eins, zwei, drei, vier.

Halten: eins, zwei, drei, vier.

Ausatmen: eins, zwei, drei, vier.

Beim zweiten Mal dachte der Lernolotl nur noch an die Zahlen. Beim dritten Mal dachte er an die Zahlen und an das Gewicht der Decke. Beim vierten Mal dachte er eigentlich fast gar nichts mehr.

„Noch eine Runde?", flüsterte Mama.

Der Lernolotl schüttelte den Kopf. Er war jetzt bereit.

Mama legte das Heft zurück auf den Nachttisch. Alles, was wichtig war, lag jetzt dort. Sicher. Wartend. Nicht verloren.

Der Lernolotl schloss die Augen. Der Kopf war noch da — aber er war jetzt leise. Er wusste, dass morgen noch käme und dass er dann weitermachen dürfte. Das reichte ihm.

Der Lernolotl schlief ein.

Und morgen schlug er als erstes Ding Axolotl nach. Ja — sie können tatsächlich Körperteile nachwachsen lassen. Sogar das Herz.

Das fand er außerordentlich bemerkenswert.

🌙 Das Abend-Ritual: Drei Schritte für einen ruhigen Kopf

Das macht der Lernolotl jeden Abend — und es hilft besonders bei Kindern, deren Gedanken abends lauter werden:

  1. Kopf-Ablage-Heft: Drei Dinge aufschreiben, die im Kopf herumschwirren. Der Kopf weiß jetzt, dass sie nicht verloren gehen — er darf loslassen.
  2. 4-4-4-Atemübung: 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten, 4 Sekunden ausatmen. Drei bis fünf Runden. Das aktiviert den Parasympathikus — den Ruhe-Modus des Körpers.
  3. Morgen ist schon geplant: Wenn möglich, schon am Abend sagen was morgen zuerst passiert. Der Kopf braucht kein vollständiges Bild — nur den nächsten Schritt.

Das Ritual dauert nicht mehr als fünf Minuten. Mit der Zeit lernt das Gehirn: „Wenn das Heft auf dem Nachttisch liegt, ist der Denktag vorbei."

Nachbesprechung — Fragen für Eltern und Kinder
💡 Für Eltern: Warum Kinder mit ADHS nachts oft nicht abschalten können

Bei Kindern mit ADHS — aber auch bei hochsensiblen und neurotypischen Kindern — bleibt das Gehirn abends oft auf Hochtouren. Der Körper ist erschöpft, aber das Reiz-Filtersystem arbeitet weiter.

Das Aufschreiben von Gedanken funktioniert, weil es einen „Speicherort" außerhalb des Kopfes schafft. Das Gehirn muss nicht mehr aktiv daran erinnern — es lässt die Information los.

Die 4-4-4-Atemübung (auch „Box Breathing" genannt) ist eine der wenigen Techniken, die direkt auf das autonome Nervensystem einwirken und nachweislich Cortisol reduzieren — ohne Medikamente, ohne Aufwand.

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