Lina war eine junge Löwin mit weichem Fell und wachsamen Augen. Sie lebte mit ihrem Rudel in der warmen Savanne, wo das Gras im Wind raschelte und die Sonne alles golden färbte. Lina beobachtete gern, wie die älteren Löwen jagten, sprangen und mutig durch das hohe Gras liefen.
Sie selbst blieb oft ein Stück zurück. Nicht, weil sie nicht wollte – sondern weil sie sich noch nicht traute. In ihrem Kopf waren viele Gedanken. Was, wenn ich stolpere? Was, wenn ich zu langsam bin? Diese Gedanken hielten ihre Pfoten fest am Boden.
Eines Morgens kündigte die Löwenmutter an, dass Lina heute zum ersten Mal allein ein kleines Stück vorausgehen dürfe. Kein Jagen, kein Kämpfen. Nur gehen. Trotzdem begann Linas Herz schneller zu schlagen. Ihr Bauch fühlte sich eng an.
Die anderen Jungen sprangen los. Lina blieb stehen. Sie schaute auf ihre Pfoten. Sie fühlten sich schwer an, als gehörten sie nicht richtig zu ihr.
„Mut fühlt sich oft nicht laut an", sagte die Löwenmutter ruhig. „Manchmal ist er ganz leise und beginnt mit einem Gedanken: Ich versuche es."