Emma und die mutige Frage

Emma ist ein ruhiges Mädchen mit großen Augen. Sie hört gern zu und denkt viel nach, bevor sie spricht. In der Schule versteht sie vieles gut, doch manchmal fehlt ihr ein kleines Stück. Eine warmherzige Geschichte darüber, dass Mut nicht immer laut sein muss und manchmal in einer leisen Frage liegt, die man sich selbst erlaubt zu stellen.

Emma und die mutige Frage
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Emma war ein ruhiges Mädchen mit großen Augen. Sie hörte gern zu und dachte viel nach, bevor sie sprach. In der Schule saß sie oft am Fenster und beobachtete die Wolken, während die Lehrerin erklärte. Emma verstand vieles gut, doch manchmal fehlte ihr ein kleines Stück.

An diesem Tag ging es um Zahlen. Die Lehrerin schrieb Aufgaben an die Tafel. Emma rechnete mit, doch plötzlich blieb sie hängen. Eine Zahl passte nicht in ihren Kopf. Emma spürte, wie ihr Bauch sich zusammenzog. Ihre Hand lag still auf dem Tisch.

Ich könnte fragen, dachte sie. Doch sofort kamen andere Gedanken. Was, wenn die Frage dumm ist? Was, wenn die anderen lachen?

Emma schaute sich um. Die anderen Kinder schrieben weiter. Niemand schien Probleme zu haben. Emma fühlte sich klein. Sie wusste: Wenn sie nichts sagte, würde sie es später auch nicht verstehen. Trotzdem blieb ihre Hand unten.

Dieses Gefühl war kein lauter Mut, sondern seine Abwesenheit. Und genau das machte es so schwer.

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Die Lehrerin ging durch die Reihen und bemerkte Emmas Blick. Sie blieb stehen und lächelte. „Du schaust, als hättest du eine Frage", sagte sie freundlich.

Emmas Herz klopfte schnell. Sie atmete tief ein. Dann hob sie langsam ihre Hand. Nicht hoch. Nur ein bisschen.

„Ich… verstehe die Aufgabe nicht ganz", sagte sie leise.

Die Lehrerin nickte. „Danke, dass du gefragt hast. Das hilft oft auch anderen."

Sie erklärte die Aufgabe noch einmal, Schritt für Schritt. Emma spürte, wie sich der Knoten in ihrem Bauch löste. Plötzlich ergab alles Sinn.

Nach dem Unterricht kam ein anderes Kind zu Emma und sagte: „Gut, dass du gefragt hast. Ich habe es auch nicht verstanden."

Emma lächelte. In ihr breitete sich eine ruhige Wärme aus. Sie hatte nichts Besonderes getan – und doch war sie gewachsen.

Emma lernte: Mut muss nicht laut sein. Manchmal ist Mut eine leise Frage, die man sich selbst erlaubt.

Die Emma-Technik – Die mutige Frage

Diese Übung hilft Kindern, Fragen zu stellen:

  • Das Gefühl erkennen: „Mein Bauch zieht sich zusammen" – das Signal wahrnehmen, dass etwas unklar ist
  • Die Gedanken bemerken: „Was, wenn die Frage dumm ist?" – diese Gedanken sind normal
  • Tief einatmen: Einen bewussten Atemzug nehmen – das beruhigt
  • Die Hand ein bisschen heben: Nicht hoch, nur ein bisschen – kleine Geste, große Wirkung
  • Leise sprechen dürfen: „Ich verstehe das nicht ganz" – die Worte müssen nicht perfekt sein
  • Die ruhige Wärme spüren: Nach der Frage kommt oft Erleichterung und Stolz

Diese Technik zeigt, dass Fragen ein Zeichen von Mut ist, nicht von Schwäche. Sie vermittelt, dass man nicht alles sofort verstehen muss und dass Fragen oft auch anderen hilft.

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Wie ist Emma? Was macht sie gern?
• Was passiert im Unterricht mit den Zahlen?
• Welches Gefühl spürt Emma in ihrem Bauch?
• Welche Gedanken kommen Emma in den Kopf?
• Warum fühlt sich Emma klein?
• Was bemerkt die Lehrerin?
• Was macht Emma dann mutig?
• Was sagt die Lehrerin zu Emmas Frage?
• Was sagt das andere Kind nach dem Unterricht?
• Ist Fragen ein Zeichen von Mut oder von Schwäche?
• Hast du dich auch schon mal nicht getraut zu fragen?

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