Leni und das leise Gefühl

Leni ist ein ruhiges Kind mit einer großen Welt voller Gefühle. An diesem Tag liegt ein leises, schweres Gefühl in ihrer Brust – eines, für das sie kein richtiges Wort hat. Die Erzieherin zeigt ihr, dass Traurigkeit manchmal keine Worte braucht. Nur Zeit. Und jemanden, der bleibt.

Leni und das leise Gefühl
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Leni war ein ruhiges Kind. Sie sprach nicht viel, aber in ihr war eine große Welt voller Gefühle. An manchen Tagen fühlte sich alles leicht an. An anderen Tagen lag ein leises, schweres Gefühl in ihrer Brust, für das Leni kein richtiges Wort hatte.

An diesem Morgen war so ein Tag. Leni zog sich langsam an, aß still ihr Frühstück und ging in den Kindergarten. Dort spielten die anderen Kinder laut und fröhlich. Leni setzte sich an den Rand des Raumes und beobachtete sie.

In ihr war es still. Nicht leer, sondern schwer. Sie wollte mitspielen, aber ihre Füße bewegten sich nicht.

Die Erzieherin bemerkte Leni. Sie setzte sich zu ihr. „Du bist heute sehr leise", sagte sie sanft. „Möchtest du mir sagen, was los ist?"

Leni schüttelte den Kopf. Sie wusste es selbst nicht genau. Die Traurigkeit war einfach da.

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Die Erzieherin blieb bei Leni sitzen. Sie drängte nicht. „Du musst nichts erklären", sagte sie ruhig. „Ich bleibe hier."

Das tat gut. Leni spürte, dass sie nicht allein war.

Nach einer Weile stand Leni auf und ging zum Maltisch. Sie nahm ein Blatt Papier und begann zu malen. Zuerst benutzte sie dunkle Farben. Langsame Striche. Dann griff sie zu helleren Farben.

Während sie malte, veränderte sich das Gefühl in ihr. Es war noch da, aber es wurde leiser.

Später kam ein anderes Kind dazu und setzte sich neben sie. Sie malten gemeinsam, ohne viel zu sprechen.

Am Nachmittag spielte Leni wieder ein wenig. Nicht wild, aber ruhig.

Sie wusste nun: Traurigkeit braucht manchmal keine Worte. Nur Zeit. Und jemanden, der bleibt.

🎨 Die Mal-Technik – Gefühle ohne Worte ausdrücken

Diese Übung hilft Kindern, Traurigkeit auszudrücken, wenn Worte fehlen:

  • Einen ruhigen Ort zum Malen vorbereiten: Papier, Farben, Stifte bereitlegen
  • Keine Vorgaben machen: Das Kind darf malen, was es möchte
  • Mit dunklen Farben beginnen lassen: Oft wählen Kinder intuitiv Farben, die zu ihrem Gefühl passen
  • Stille Begleitung anbieten: Daneben sitzen, ohne zu drängen oder zu reden
  • Den Prozess beobachten: Oft wechseln Kinder im Lauf des Malens zu helleren Farben
  • Optional: Gemeinsam malen: Nebeneinander kreativ sein ohne Worte

Diese Technik gibt Kindern einen nonverbalen Weg, ihre Gefühle auszudrücken. Das Malen wirkt beruhigend und hilft, schwere Emotionen zu verarbeiten, ohne sie benennen zu müssen.

💡 Gesprächsanregung für Eltern

Mögliche Fragen nach dem Vorlesen:

• Wie war Leni als Kind?
• Wie hat sich Leni an diesem Tag gefühlt?
• Was hat die Erzieherin gemacht?
• Was hat Leni am Maltisch gemacht?
• Welche Farben hat Leni zuerst benutzt?
• Was ist passiert, während Leni gemalt hat?
• Was hat Leni am Ende verstanden?
• Gibt es Tage, an denen du dich auch so fühlst wie Leni?
• Was hilft dir, wenn du traurig bist, aber nicht darüber sprechen möchtest?

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