Mila war ein aufgewecktes Mädchen, das gern malte. Farben halfen ihr, ihre Gedanken zu ordnen. Wenn sie einen Pinsel in der Hand hielt, fühlte sie sich sicher. An diesem Vormittag sollten alle Kinder im Kindergarten ihre Bilder an die Wand hängen. Jedes Bild sollte von allen angesehen werden.
Als Mila ihr Bild betrachtete, bemerkte sie etwas, das sie vorher nicht gesehen hatte: In der Mitte war ein großer roter Fleck. Er passte nicht zu den Blumen, die sie gemalt hatte. Milas Bauch zog sich zusammen. Ihre Schultern wurden schwer.
„Alle werden den Fleck sehen", dachte sie. „Sie werden denken, ich kann nicht richtig malen."
Als die Erzieherin die Bilder aufhängte, fühlte Mila ihr Herz schneller schlagen. Sie stellte sich vor, wie die anderen Kinder auf den Fleck zeigen würden. Ihr Gesicht wurde warm, und sie wünschte sich, unsichtbar zu sein. Das war Scham. Still, aber sehr stark.