Willi hatte kaum geschlafen. Immer wieder musste er an die Lichtkugel im singenden Riff denken, an die geheimnisvolle Karte, die sich geöffnet und wieder aufgelöst hatte. Die zweite Pyramide. Die nächste Tür. Der Hinweis des Wächters. Und vor allem: der Schlüssel, den er finden sollte.
Als die ersten Sonnenstrahlen sein kleines Fenster trafen, war Willi bereits hellwach. Die Muschel auf seinem Nachttisch ruhte still – doch sie wirkte nicht leer. Eher wie jemand, der tief atmete und jederzeit wieder aufwachen konnte. Willi strich vorsichtig über die zarte Oberfläche. „Heute wird's wieder spannend, was?", flüsterte er.
Er kroch aus seinem Häuschen, und das Meer empfing ihn mit einem sanften Glitzern. Keine Melodie dieses Mal, kein Summen, kein Rufen. Nur Stille. Aber es war eine Stille, die wartete.
Willi stieg in sein U-Boot, und kaum hatte er die Luke geschlossen, begann die Muschel wieder zu leuchten – zuerst in einem warmen Orange, dann in einem tiefen Gold. „Das ist neu…", murmelte Willi. Die Muschel vibrierte drei Mal, in kurzen, klaren Impulsen.
Bumm. Bumm. Bumm.
Es klang wie eine Antwort. Oder wie ein Startsignal.
Willi zog den Hebel und tauchte hinab in die Tiefe. Die ersten Meter wirkten vertraut – das gedämpfte Licht, die kleinen Schwärme neugieriger Fische, die ihn wie alte Freunde begrüßten. Doch schon bald sah er, dass sich etwas verändert hatte.
Das Wasser wurde nicht nur dunkler. Es wurde… goldener. Feinste Partikel schwebten darin, wie winzige Funken, die sich umeinander drehten. Immer mehr davon tauchten auf, bis Willi das Gefühl hatte, durch einen leuchtenden Strom zu fahren.
Die Muschel vibrierte wieder. Stärker. Drängender.
„Ja, ja, ich folge ja!", sagte Willi lachend und steuerte weiter.
Plötzlich öffnete sich vor ihm ein weiter, goldener Graben. Er sah aus wie eine tiefe Schlucht aus Licht – und am Boden glühte etwas Rundes. Etwas Glattes.
Etwas, das aussah wie…
ein Schlüssel.