Willi wagte kaum zu atmen. Die weiße Pyramide vor ihm wirkte nicht einfach gebaut – sie wirkte geboren. Jeder Stein schien Licht in sich zu tragen, als wäre er aus Mondschein geschnitzt worden. Die Muschel und der Lichtschlüssel schwebten an ihrer Spitze, und von ihnen aus ging ein leises, pulsierendes Leuchten aus. Es war kein Summen wie beim singenden Riff und kein tiefes Brummen wie beim schlafenden Wächter. Es klang wie… Flüstern.
Ein sanftes, warmes Flüstern.
Willi steuerte das U-Boot vorsichtig näher. Sein Herz klopfte so laut, dass er sicher war, die Pyramide müsse es hören. „Ich bin… da", sagte er leise, auch wenn seine Stimme im Wasser kaum dringen konnte.
Da erhellte sich plötzlich die gesamte Vorderseite der Pyramide. Die glatten Steinplatten verwandelten sich in ein riesiges Lichtmuster – Kreise, die sich drehten, Linien, die sich zogen wie Lichtfäden, Spiralen, die sich weit in die Tiefe wanden. Es war, als würde die Pyramide sprechen. Und Willi begriff: Sie tat es wirklich.
Die Muschel vibrierte.
Der Schlüssel leuchtete grell auf.
Und dann hörte Willi es.
Nicht mit den Ohren.
Mit dem Herzen.
„Willi… du bist weiter gegangen."
Willi fröstelte, aber auf die schöne Art. „Was… was soll ich tun?", fragte er zaghaft.
Die Pyramide antwortete mit einem langen, warmen Ton, der das Wasser durchdrang wie ein weicher Strom. Die Linien der Pyramide formten ein Bild – Willi selbst, sein U-Boot, die erste Pyramide, das Riff und der Wächter.
Und dann sah er etwas Neues:
Eine Tür. Rund. Riesig. Weiß.
Verborgen tief hinter der Pyramide.
Willi lehnte sich näher an die Scheibe.
Die Muschel vibrierte stärker.
Der Schlüssel drehte sich langsam.
„Die erste Tür ist geöffnet… aber nicht die letzte", flüsterte eine Stimme.
Der Raum vibrierte.
Etwas Erwachte.